Wie oft sind Schülerinnen und Schüler unaufmerksam, müde oder folgen nicht dem Unterricht? Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Kaum in Betracht gezogen wird, dass es sich dabei um eine seltene, lebenslang andauernde, neurologische Erkrankung handeln könnte: Narkolepsie.

Narkolepsie hat eine körperliche und keine psychische Ursache. Das chronische Leiden schränkt in der Regel das tägliche Leben Betroffener stark ein – einen Einfluss auf die Lebenserwartung gibt es nicht. Der normale Schlaf-Wach-Rhythmus ist bei Narkoleptikern gestört, so dass kein erholsamer Schlaf zustande kommt.

Ärzte und Wissenschaftler sehen momentan eine zunehmende Häufigkeit der Erkrankung, die einem mangelnden Angebot an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten gegenübersteht.

(Kinder-) Ärzte mit fundiertem Wissen über Narkolepsie sind kaum zu finden.

Oft werden Narkoleptiker ausgegrenzt, weil das Krankheitsbild nicht bekannt ist. Gerade Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, Symptome wahrzunehmen, denn sie erleben Kinder und Jugendliche über einen längeren Tageszeitraum hinweg. Und: Sie können das Lernen der betroffenen Kinder erleichtern.

Welche Anzeichen sollten Sie beachten?

Folgende Anzeichen können auf Narkolepsie hindeuten:

Tagesmüdigkeit und unabwendbare Einschlafattacken

Menschen mit Narkolepsie sind nicht nur manchmal schläfrig, sondern eigentlich immer und jeden Tag. Wach zu bleiben ist keine Frage des Wollens, das Einschlafen ist häufig einfach nicht zu verhindern. Die Augen fallen selbst mitten im Gespräch oder beim Essen zu.

Verlust des Muskeltonus (Kataplexie) in emotionalen Momenten

Die Mimik des Kindes verändert sich, Gegenstände fallen zu Boden, oder das Kind sackt zusammen und sinkt bei vollem Bewusstsein zu Boden. (Nicht alle Narkoleptiker haben Kataplexien.)

Automatisches Handeln

Im Halbschlaf geschehen Handlungen ohne bewusste Kontrolle. Das Kind erinnert sich dann nicht mehr an das Getane oder Gesagte. Notizen werden unleserlich oder ergeben keinen Sinn.

Konzentrationsprobleme, mangelnde Aufmerksamkeit

Aufgrund der gestörten Wachheit kann das Kind nicht alles aufnehmen, was in seinem Umfeld vor sich geht. Vorgegebene Bearbeitungszeiten kann es nicht einhalten und es kann der Eindruck entstehen, das Gedächtnis sei gestört.

Probleme im Gruppenverhalten

Das Kind kann an gemeinsamen Aktivitäten der Klasse nicht teilnehmen und wird zum Außenseiter.

Was können Sie im Unterricht tun?

Die betroffenen Schüler können sich den Schlafattacken nicht entziehen, daher sind Zwänge erfolglos und nicht hilfreich. Um den Kindern dennoch gute Lernergebnisse zu ermöglichen, können Sie sie folgendermaßen unterstützen:

Schlafattacken zulassen:

Erholungsphase einplanen, oft genügen wenige Minuten; so kann man den Rhythmus der erkrankten Schülerin/des erkrankten Schülers akzeptieren.

Nachbearbeitungszeiten einräumen:

Zur Mitarbeit motivieren und durch Ansprache zurückholen, individuelle Nachholtermine einplanen. Bitten Sie Mitschüler, ihre Notizen zur Verfügung zu stellen.

Mündliche, kürzere Leistungstests:

Statt schriftlicher Tests mündliche, kurze Abfragen bevorzugen – unter Umständen nicht im Beisein der Mitschüler.

Stärkere Beachtung im Hinblick auf Kataplexien:

Dem Kind die Möglichkeit einräumen, am Platz geprüft zu werden statt an der Tafel, im Sportunterricht Gefahrensituationen vermeiden, z.B. beim Schwimmen oder Geräteturnen.

Unterrichtsinhalte zur Verfügung stellen:

Das Kind muss die Möglichkeit haben, den Stoff zu Hause nachzuarbeiten.

Durch die alternativen Methoden kann der komplette Unterrichtsinhalt vermittelt, Lernausfälle oder Wissens­lücken vermieden und die betroffenen Kinder und Jugendlichen in die Gemeinschaft integriert
werden. Ziel ist ein erfolgreicher Schulabschluss.

Wie können Sie die Hausaufgaben gestalten?

Bei Hausaufgaben sollten Sie Spielräume nutzen, indem Sie u.a. kürzere und andere Aufgaben stellen oder die Hausaufgaben für Betroffene in Form von Arbeitsblättern besser vorbereiten. Hausaufgaben sollten auch später – nach einem Wochenende – eingereicht werden können.